Filmrezension: TOMORROW - Die Welt ist voller Lösungen

Eine Studie der Zeitschrift „Nature“, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagt, treibt das Team um Mélanie Laurent und Cyril Dion hinaus in die Welt, um nach Menschen zu suchen, die schon heute mit kreativen Lösungen gegen den Kollaps unseres Planeten kämpfen. Von Urban Gardening in Detroit und Recycling in San Francisco, über Permakultur in der Normandie und Solarenergie auf La Reunion bis hin zu neuen Formen der Demokratie in Indien und alternativer Bildung in Norwegen: In den unterschiedlichsten Teilen der Welt stößt das Filmteam auf große und kleine Revolutionen, die dabei helfen könnten, die Ausbeutung von Mensch und Natur so zu reduzieren, dass unser Planet langfristig eine Chance zur Regeneration bekommt. Nahrung müsste wieder an den Orten und von den Menschen angebaut werden, die sie konsumieren. Monokultur müsste wieder einer bodenverträglichen Mischbepflanzung weichen, die Fleischproduktion zugunsten pflanzlicher Nahrungsmittel schrumpfen. Der Bedarf an fossilen Brennstoffen, müsste drastisch reduziert werden, Plastik durch nachwachsende Rohstoffe, Erdöl durch alternative Energien und Autos durch Fahrräder ersetzt werden. Gleichzeitig bräuchte unser auf Wachstum basierendes Wirtschaftsverständnis dringend eine Überholung, die Währungshoheit der Banken sollte zugunsten regionaler Währungen abgeschafft werden. Demokratie bräuchte neue Formen der Volksvertretung und zu guter Letzt müsste Schulbildung völlig neue Formen bekommen. So weit so gut. 

 

Der Film zeigt durchaus beeindruckend, was weltweit bereits für die Genesung unseres Planeten getan wird. Öko-Neulinge jedoch könnten etwas überfordert sein. Der Film setzt bereits eine gewisse Sensibilität für den gesamten Themenkomplex „Weltverbesserung“ voraus. Vorschläge, wie jeder Mensch seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck verkleinern kann, sind eher subtil platziert. Das Gros des Films beleuchtet vielmehr Projekte, die über die Möglichkeit des Individuums hinausgehen. So zeigt der Film zwar eindrucksvoll, wie der Wille einiger Weniger in der Lage ist, größere Gruppen zum Umdenken und Mitmachen zu bewegen. Wie viele Möglichkeiten jeder Mensch - zumindest innerhalb unserer westlichen, industrialisierten Welt - hat, mit einfachen Dingen bzw. durch das bloße Unterlassen von Dingen seine eigene Umweltverträglichkeit zu verbessern, geht im Schatten der Großprojekte unter. Der Film wird seinem Titel durchaus gerecht, vernachlässigt dabei aber, wie viel Verantwortung jedem einzelnen Individuum in der großen Aufgabe zukommt, unseren Planeten in eine ökologisch verträgliche Zukunft zu führen. Beim Zuschauer könnte leicht der Eindruck entstehen, dass die Initiative stets von „den Anderen“, von Vorgesetzten, Vereinigungen oder gar der Regierung kommen müsste. Viel wichtiger wäre jedoch, zu vermitteln, dass jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft die Möglichkeiten und auch die Pflicht hat, täglich seinen Beitrag zu leisten. Ohne diese Erkenntnis sind sämtliche Bemühungen von Gremien, Institutionen und motivierten Individuen nutzlos. An dieser wichtigen Stelle hat der Film ein großes Defizit. Wie wenige Menschen sich trotz seiner Brisanz von der Thematik des Films angesprochen fühlen, offenbart sich leider auch in dem gerade einmal knappen Dutzend Kinobesucher, die sich einen verregneten Sonntag-nachmittag mit einer kleinen Dosis Weltverbesserung versüßen wollen. 


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