Gespräch mit Elias Loeb: Über Musik, Masken und das Leben


Seit 04. Mai 2015 ist das neue Album von Elias Loeb, "Das Herz ist mir zersprungen", auf dem Markt. Bei den Songs handelt es sich um alte,  längst vergessene Balladen die von Liebe, Schmerz und Tod erzählen. Elias hat sie aus verstaubten Bücherregalen hervorgeholt, vertont und ihnen so neues Leben eingehaucht. 

Elias, kürzlich ist Dein neues Album erschienen, „Das Herz ist mir zersprungen“. Wie bist Du auf die Idee gekommen, alte Balladen zu vertonen?

 

„Ich bin viel in Antiquariaten unterwegs und fand es immer schade, dass diese ganzen unbekannten Gedichte und Balladen, die ja oft schon 100 Jahre alt sind, bisher nicht vertont wurden. So werden unzählige traurige, schaurige, morbide und skurrile Geschichten einfach in den Regalen vergessen.“

 

Was fasziniert Dich an diesen Texten am meisten?

 

„Oft sind es die Pointen. Am Schluss ist mindestens einer tot. Manchmal auch beide. Aber es gibt immer eine lange Vorgeschichte. Jede Ballade ist wie ein Mini-Drama, das es nicht zur Uraufführung geschafft hat.“

 

Du magst also das Bizarre, das Makabere und Verstörende?

 

„Ja, das löst in mir komischerweise Glücksgefühle aus. Weil es einerseits nicht der Norm entspricht und mir andererseits dabei hilft, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Das ständige Bewusstsein von Düsternis und Vergänglichkeit macht den Tag für mich lebenswerter.“

 

Trotzdem bist Du ein Ästhet, ein Mensch der Sinne! Der das Leben bejaht?

 

„Na klar. Ich bin ja kein Grufti. Ich mag´s auch gern total kitschig.“

 

Hast Du gewusst, was Du suchst oder hast Du Dich in den fremden Phantasien treiben lassen?

 

„Eigentlich hab ich ganz genau gewusst was ich suche.“

 

Und zwar?

 

„Berührende, ungewöhnliche und unbekannte Texte, die tief gehen“

 

Oder anders gefragt, hast Du versucht etwas über Dich selbst zu erfahren, oder wolltest Du in die Welt derer eintauchen, die diese Texte verfasst haben?

 

„Sowohl als auch. Manche Texte kann ich ja gar nicht erlebt haben. Wenn es zum Beispiel um einen russischen Seeräuber geht. Da fasziniert mich einfach die Geschichte. In mindestens zwei der Texte finde ich mich jedoch selbst wieder. Z. B. geht es in „Ich habe den Frühling gesehen“ um die Vergänglichkeit von Leben und Liebe. Für mich ist dieser Text sowohl deprimierend als auch tröstlich.“

 

Was machst Du, wenn Du nicht gerade in alten Büchern nach düsteren Texten suchst?

 

„Hauptberuflich bin ich Maskenbildner. Zur Zeit bin ich an mehreren Theatern in München als freier Mitarbeiter beschäftigt, am Münchner Volkstheater, bei den Münchner Kammerspielen und an der Bayerischen Staatsoper.“

 

Was bedeutet es für Dich, andere Menschen zu verwandeln?

 

„Ich finde das ist wie Zauberei die keiner bemerkt. Am schönsten finde ich, wenn die Verwandlung vom Zuschauer gar nicht als solche wahrgenommen wird. Z. B. eine realistische Alterung mit maßgefertigten und selbst hergestellten Hilfsmitteln wie falschen Gesichtsteilen aus Silikon und sehr dünn wirkenden Haararbeiten, Perücken  und Bärten, was zwar viel Arbeit ist und viel Vorbereitung braucht, aber im Idealfall selbst bei Nahem besehen echt sein könnte.“

 

Die Gesellschaft erwartet ja meistens, dass wir unsere Persönlichkeit auf eine bestimmte Eigenschaft oder einen bestimmten Charakterzug reduzieren. Für wandelbare, kreative Menschen mit vielen verschiedenen Interessen und einem ausgeprägten Gefühlsleben ist das jedoch oft eine große Einschränkung. Geht es Dir manchmal genauso?

 

„Klar! Das stimmt auf jeden Fall. Ich finde gerade die Abwechslung sehr wichtig. Mit meiner Band, der Musikgruppe Herrenabfall, mache ich ja laute Blues- und Punkmusik. Das ist das genaue Gegenteil dieser leisen Balladen.“

 

Geben Dir also Masken und Musik die Möglichkeit, alle Deine „Persönlichkeiten“ auszuleben?

 

„Richtig. Deswegen mache ich das alles. Beides ist ein sehr gutes Ventil. Ich weiß gar nicht, wie jemand seine Gefühle ohne sowas ausleben oder kompensieren kann.“

 

Wie schöpfst Du Kraft für neue Ideen?

 

„Durch Träume, im wörtlichen und übertragenen Sinn. Träume, Sorgen und Kummer schreibe ich fast immer auf. Die Reflexion darüber hilft mir dann, meine Gedanken loszuwerden. So wird aus negativen Gedanken ein schönes Lied. Ist doch super!“

 

Und zum Schluss noch ein paar triviale Fragen:

 

Was ist Dein Lieblingsgericht?

 

„Tafelspitz.“

 

Lieber Wein oder Bier?

 

„Weinschorle mit Hauswein. Jedenfalls immer der billigste.“

 

Lieber Tag oder Nacht?

 

„Nacht.“

 

Bevor wir uns verabschieden, gibt’s denn schon ein neues Projekt?

 

„Ja, mein nächstes Album wird mein erstes Album mit deutschen eigenen Texten. Vielleicht nenne ich es „Narrenturm“. Aber mehr verrate ich noch nicht.“


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